Sobald du eine Form vervielfältigen, ein Relief in Beton gießen oder eine kleine Skulptur in mehreren Exemplaren gießen willst, brauchst du eine Negativform. Silikon ist dafür das Mittel der Wahl: Es ist flexibel, gibt feinste Details wieder und wirkt wie ein natürliches Trennmittel, sodass sich der Guss später leicht löst. In dieser Anleitung zeige ich dir, welches Silikon sich wofür eignet, wie du eine einfache Form Schritt für Schritt abnimmst, was bei Hinterschneidungen zu tun ist – und welche Fehler du vermeiden solltest. Eine starre Variante mit Gips beschreibe ich übrigens im Beitrag vom weichen Ton zum harten Gips; Silikon kann mehr, gerade bei komplexen Formen.
Wozu eine Silikonform?
Mit einer Silikon-Negativform nimmst du das exakte Abbild einer Urform ab – das kann eine Tonfigur, ein Fundstück oder ein Relief sein. In diese Form gießt du anschließend ein Positiv aus Gips, Beton, Wachs oder Gießharz. Der große Vorteil gegenüber einer starren Gipsform: Silikon ist elastisch. Es lässt sich auch über Stellen abziehen, an denen eine harte Form hängenbleiben würde – und genau das macht es so vielseitig.
Welches Silikon? Zwei Sorten, zwei Wege
- Knetsilikon besteht aus zwei Komponenten, die du zu gleichen Teilen verknetest und dann auf das Objekt drückst. Es härtet in wenigen Minuten aus – ideal für kleine, flache Teile und den schnellen Einstieg.
- Gießsilikon ist flüssig und wird ebenfalls aus zwei Komponenten angerührt. Du gießt es in einem Rahmen über die Urform. Es gibt die feinsten Details wieder und ist die richtige Wahl für anspruchsvollere oder größere Formen.
Ein wichtiger Punkt noch zur Chemie: Es gibt kondensationsvernetzendes Silikon (oft „zinnvernetzt“) – günstig, robust und gutmütig, ideal für Gips und Beton. Und es gibt additionsvernetzendes Silikon („platinvernetzt“) – präziser und langlebiger, aber empfindlich: Schwefelhaltiges Plastilin, Latex oder manche Kleber können das Aushärten verhindern (man spricht von Inhibierung). Mach im Zweifel immer zuerst eine kleine Probe, bevor du die ganze Form gießt.
Schritt für Schritt: die einfache Blockform
Für ein Objekt mit flacher Rückseite genügt eine einteilige Blockform aus Gießsilikon. So gehst du vor:
- Urform vorbereiten: Das Original muss sauber, trocken und staubfrei sein. Befestige es fest auf einer glatten Grundplatte, damit es beim Eingießen nicht aufschwimmt.
- Rahmen bauen: Stelle eine kleine Umrandung mit ein bis zwei Zentimetern Abstand rund um das Objekt – aus Holz, Kunststoff oder notfalls Bausteinen. Diese Wandstärke gibt der Form später Stabilität.
- Trennmittel auftragen: Behandle Rahmen und bei Bedarf die Urform mit einem geeigneten Trennmittel. Achte aufs Datenblatt – nicht jedes Öl verträgt sich mit Silikon, manche greifen es sogar an.
- Silikon anmischen: Mische die beiden Komponenten exakt nach Herstellerangabe – am besten nach Gewicht – und rühre gründlich, aber nicht zu wild, um wenig Luft einzuschlagen.
- Eingießen ohne Blasen: Gieße das Silikon langsam in einem dünnen Strahl aus etwas Höhe in eine Ecke des Rahmens. So zieht sich die Masse über das Objekt und drückt die Luft heraus. Klopfe den Rahmen anschließend leicht, damit Blasen aufsteigen. Profis entlüften im Vakuum – nötig ist das für den Anfang aber nicht.
- Aushärten lassen: Je nach Produkt dauert das etwa zehn bis zwölf Stunden. Hab Geduld und rüttle nicht daran.
- Entformen: Löse den Rahmen und ziehe das elastische Silikon vorsichtig vom Original ab. Deine Negativform ist fertig.
Hinterschneidungen und zweiteilige Formen
Dank seiner Elastizität verzeiht Silikon leichte Hinterschneidungen – du ziehst es einfach ab. Bei rundum gestalteten Objekten oder tiefen Hinterschnitten brauchst du jedoch eine zweiteilige Form: Dazu bettest du die Urform bis zur gedachten Trennlinie in Plastilin ein, legst kleine Passkerben als Schlüssel an und gießt die erste Hälfte. Nach dem Aushärten entfernst du den Ton, trägst ein Trennmittel auf und gießt die zweite Hälfte. Plane dabei einen Einguss- und einen Entlüftungskanal ein. Zwei Dinge sind hier entscheidend: Verwende bei Platinsilikon kein schwefelhaltiges Plastilin, und nutze für Silikon auf Silikon ein passendes Trennmittel – ein silikonhaltiges Trennspray würde beide Hälften unlösbar verbinden.
Der Stützmantel
Weiches Silikon verliert beim Gießen leicht seine Form. Bei dünnwandigen „Hautformen“ gibst du ihm deshalb mit einem starren Stützmantel aus Gips oder Harz Halt, der die Silikonhaut in Position hält. Bei einer kräftig dimensionierten Blockform mit dicker Wand ist das meist nicht nötig.
Vom Negativ zum Positiv: das Gießen
Ist die Form fertig, kannst du dein Positiv gießen. Achte darauf, dass die Form sauber, trocken und staubfrei ist – das verlängert ihre Lebensdauer und sorgt für ein sauberes Ergebnis. Gips, Beton, Wachs und Gießharz eignen sich alle; bei Harz schützt ein Trennmittel die Form zusätzlich. Tipp: Klopfe auch hier nach dem Einfüllen leicht gegen die Form, damit Luftblasen aufsteigen. Wie sich Gips dabei verhält, beschreibe ich im Beitrag Arbeiten mit Gips.
Typische Fehler
- Falsches Mischungsverhältnis: Stimmt das Verhältnis nicht, bleibt das Silikon klebrig oder härtet gar nicht aus. Genau abmessen.
- Blasen: entstehen durch zu schnelles Gießen. Dünner Strahl aus der Höhe und anschließendes Klopfen helfen.
- Inhibierung: Platinsilikon härtet auf Schwefel, Latex oder bestimmten Klebern nicht aus. Immer eine Probe machen.
- Loses Original: Ein nicht befestigtes Objekt schwimmt im Silikon auf. Gut fixieren.
- Falsches Trennmittel: Silikonhaltiges Spray verbindet Silikon mit Silikon. Bei zweiteiligen Formen das richtige Mittel wählen.
Sicherheit
Silikon selbst gilt als gut verträglich, trotzdem gehören Handschuhe und eine gute Belüftung zur Grundausstattung – besonders, wenn du anschließend mit Gießharz arbeitest. Halte dich an das technische Datenblatt deines Produkts, dann gelingt der Formenbau sauber und sicher.
Eine Form öffnet viele Möglichkeiten
Ist die erste Silikonform einmal abgenommen, eröffnet sich eine ganze Welt: Editionen einer kleinen Skulptur, Reliefs in Beton, Wachsmodelle für den weiteren Guss. Das Abformen ist ein fester Teil meiner Arbeit, und wie aus Ton, Gips und Form ein dauerhaftes Werk wird, üben wir auch in meinen Seminaren in Scheßlitz bei Bamberg. Wenn du zuerst beim Modellieren des Originals Unterstützung brauchst, hilft dir mein Beitrag Modellieren mit Ton für Anfänger weiter.
