Kennst du das? Du spazierst durch den Bamberger Hain oder am Ufer der Regnitz entlang, und plötzlich liegt da dieser eine Ast. Oder eine Wurzel, die aussieht wie ein Fabelwesen. Du hebst es auf, steckst es in die Tasche – und zu Hause liegt es dann auf der Fensterbank und verstaubt.
Dabei steckt in diesen Fundstücken oft echte Kunst. Als Bildhauer und Restaurator habe ich gelernt, daß wir Kunst nicht immer neu erfinden müssen. Manchmal müssen wir sie nur finden und freilegen. Auch Picasso sagte: „Ich suche nicht, ich finde.“
In meiner Arbeit nenne ich das oft „Dialog mit dem Material“. Ich zwinge dem Holz keine Form auf, sondern schaue, was es mir anbietet. Heute zeige ich dir, wie du deine Fundstücke professionell aufbereitest und haltbar machst.
Schritt 1: Der richtige Blick (Sammeln)
Nicht jedes Stück Holz eignet sich. Totes, morsches Holz, das schon zerbröselt, lassen wir lieber im Wald – das ist wichtiger Lebensraum für Insekten. Suche nach Treibholz (vom Wasser glattgeschliffen) oder festen Wurzelstücken. Achte auf spannende Drehungen, Astlöcher oder Verwachsungen.
Schritt 2: Reinigung & Trocknung (Der Restaurator-Tipp)
Hier machen die meisten den ersten Fehler.
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- Säubern: Bürste den groben Schmutz mit einer harten Wurzelbürste ab. Wenn das Holz fest ist, kannst du es auch kurz mit Wasser abwaschen.
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- Trocknen: Lege das Holz niemals direkt auf die Heizung! Durch die schnelle Hitze reißt das Holz. Lass es langsam bei Zimmertemperatur trocknen. Geduld ist hier das wichtigste Werkzeug.
Schritt 3: Die Bearbeitung – Weniger ist mehr
Jetzt geht es ans Gestalten. Anders als beim Ytong oder Stein geht es hier oft nur darum, die Schönheit des Holzes zu betonen.
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- Rinde entfernen: Wenn die Rinde locker ist, mach sie ab. Darunter kommen oft tolle Fraßspuren von Käfern zum Vorschein – natürliche Muster!
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- Schleifen: Nimm Schmirgelpapier (Körnung 80 für den Anfang, dann 120, bis 240 für den Feinschliff). Schleife nur die hervorstehenden Stellen glatt und lass die tiefen Stellen rau. Das erzeugt einen tollen Kontrast.
Schritt 4: Das Finish (Ölen statt Lackieren)
Als Restaurator bin ich kein Fan davon, schönes Holz mit dickem Klarlack zuzukleistern. Holz muss atmen und man will es anfassen können. Ich empfehle Leinölfirnis oder ein einfaches Hartöl.
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- Trage das Öl mit einem Lappen satt auf.
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- Warte 10 Minuten und wische den Überschuss trocken ab.
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- Der Effekt: Das Öl „feuert an“. Das heißt, die Maserung tritt dunkel und kräftig hervor, das Holz leuchtet förmlich.
Präsentation: Wie wird es zur Skulptur?
Ein Ast, der auf dem Tisch liegt, ist ein Ast. Ein Ast, der aufrecht steht, ist eine Skulptur. Versuche, dein Fundstück zu montieren.
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- Bohre unten ein kleines Loch in das Holz.
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- Nimm einen Sockel (z.B. einen einfachen Holzklotz oder einen Stein) und bohre dort ebenfalls ein Loch.
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- Verbinde beides mit einem Metallstift (z.B. einem abgezwickten Nagel).
Durch die Aufrichtung bekommt das Objekt Würde und Raum. Es wird zum „Farbwächter“ oder zur abstrakten Figur.
Dein Blick für Bamberg
Wenn Du das nächste Mal in Bamberg oder dem Umland unterwegs bist, schau mal genauer hin. Die Natur ist der größte Künstler. Wir müssen ihr nur ein bisschen assistieren.
Hast Du ein tolles Stück gefunden und weißt nicht, wie du es befestigen sollst? Oder hast du Fragen zur Oberflächenbehandlung alter Hölzer? In meinem Atelier beschäftige ich mich viel mit diesen Fragen. Schreib mir gerne – vielleicht wird aus deinem Fundstück ja bald dein erstes Ausstellungsstück im Wohnzimmer.
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