Wenn wir an Kunst denken, haben wir oft zuerst Leinwand und Pinsel im Kopf. Aber es gibt kaum etwas Befriedigenderes, als eine Form wirklich in den Händen zu halten und entstehen zu lassen. Gips ist dafür das perfekte Einstiegsmedium.

Es ist günstig, härtet schnell aus und bietet endlose Möglichkeiten – von feinen Reliefs bis zu groben, expressiven Skulpturen. Gerade in der kunstpädagogischen Arbeit schätze ich Gips sehr, weil es ein sehr sinnliches Erlebnis ist: Man macht sich die Hände schmutzig, spürt das Material warm werden und hat am Ende ein echtes Objekt im Raum stehen.
Hier in meinem Atelier in Bamberg experimentiere ich gerne mit dem Wechselspiel zwischen Fläche und Raum. Deshalb möchte ich dir heute ein paar Grundlagen an die Hand geben.
Die Basisausstattung: Baumarkt statt Künstlerbedarf?
Das Schöne an Gips: Du musst für den Start kein Vermögen ausgeben. Vieles findest du im gut sortierten Baumarkt.
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- Das Material: Es gibt klassischen Modelliergips oder Alabastergips (der wird feiner und härter). Für den Anfang tut es der einfache Bau- und Elektrikergips oft auch, allerdings bindet dieser sehr schnell ab. Modelliergips gibt dir mehr Zeit.
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- Gipsbinden: Perfekt für den leichten Einstieg und Hohlformen (bekannt aus dem Krankenhaus, aber super für die Kunst).
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- Werkzeug: Ein Gummibecher zum Anrühren (Gips lässt sich daraus nach dem Trocknen einfach herausdrücken), Spachtel, alte Löffel, Raspeln und Schleifpapier.
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- Wichtig: Gips darf niemals in den Ausguss! Das Wasser muss in einem Eimer absetzen, bis sich der Gips unten sammelt. Den Bodensatz entsorgst du im Restmüll.
3 Techniken für den Start
Wie formt man eigentlich Gips? Es gibt drei grundlegende Herangehensweisen, die unterschiedliche Denkweisen erfordern.
1. Der Klassiker: Gipsbinden & Draht (Aufbauend)
Hier baust du ein Gerüst (die Armierung) aus Hasendraht oder Alufolie. Darauf legst du die nassen Gipsbinden.
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- Der Vorteil: Du kannst sehr große, leichte Figuren bauen.
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- Ideal für: Einsteiger und Workshops, da man schnelle Ergebnisse sieht und die Form während des Arbeitens noch biegen kann.
2. Der Guss (Negativform)
Du rührst den Gips breiig an und gießt ihn in eine Form. Das kann eine Silikonform sein, ein Tetrapak oder sogar eine Vertiefung im feuchten Sand (Sandguss).
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- Der Vorteil: Du erhältst sehr glatte oder spannende Oberflächenstrukturen.
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- Der Effekt: Nach dem Aushärten hast du einen festen Block oder ein Relief, das du weiterbearbeiten oder bemalen kannst (z.B. mit Acryl!).
3. Subtraktiv (Vom Block zur Form)
Du gießt dir zuerst einen massiven Block aus Gips (z.B. in einem Eimer). Sobald er hart ist, nimmst du Raspeln, Feilen und Schnitzwerkzeug und „befreist“ die Figur aus dem Block.
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- Der Vorteil: Es fühlt sich an wie „echte“ Bildhauerei. Man lernt viel über Volumen und Schatten.
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- Achtung: Es staubt gewaltig! Das ist eher etwas für draußen oder gut gelüftete Werkstatträume.
Bildhauerei und Raum in Bamberg
Gips ist ein „ehrliches“ Material. Es ist weiß, rein und zeigt jede Spur der Bearbeitung. In meinen eigenen Arbeiten nutze ich diese Eigenschaften gerne, um Strukturen sichtbar zu machen.
Da Gipsarbeiten (besonders das Schleifen) Platz und unempfindliche Böden brauchen, ist das Arbeiten in einer Gemeinschaft oft angenehmer als im heimischen Wohnzimmer. Ich plane derzeit, wie ich solche dreidimensionalen Techniken zukünftig auch für Interessierte hier in Bamberg zugänglich machen kann – sei es als offenes Format oder thematischer Workshop.
Lust auf Dreidimensionales?
Reizt dich das Arbeiten mit den Händen? Suchst du vielleicht für soziale Projekte nach Ideen, wie man Gipsbinden kreativ einsetzen kann, jenseits vom Gipsabdruck des Bauches? Oder hast du einfach Interesse an Skulptur?
Dann lass uns gerne in Kontakt bleiben. Ich sammle derzeit unverbindlich Interessenten, die Lust hätten, informiert zu werden, sobald es in Bamberg losgeht.
Schreib mir einfach kurz über das Kontaktformular
Bis dahin: Hände schmutzig machen erlaubt!