Wer durch die Gassen von Bamberg spaziert, spürt es sofort: Diese Stadt hat eine ganz besondere Farbe. Ein warmes, leuchtendes Ockergelb, mal ins Gräuliche, mal ins Rötliche spielend. Es ist die Farbe des Sandsteins.
Vom Kaiserdom über die Alte Hofhaltung bis zu den Brückenfiguren – Bamberg ist aus Sandstein gebaut. Als gelernter Steinmetz und Restaurator ist dieser Stein für mich mehr als nur Material. Er ist ein Stück Erdgeschichte und der Charakter unserer Region.
Aber was ist das eigentlich für ein Gestein? Warum zerfällt es manchmal, und wie schaffen es Bildhauer, ihm so filigrane Formen abzuringen? Heute nehme ich dich mit in die Welt des „Fränkischen Goldes“.
Was ist Sandstein eigentlich?
Sandstein ist ein Sedimentgestein (Ablagerungsgestein). Stell dir vor: Vor Millionen von Jahren war hier in Franken ein riesiges Meer oder Flussdelta. Sandkörner (Quarz) sanken zu Boden, Schicht für Schicht. Durch gewaltigen Druck und natürliche Bindemittel (wie Kalk oder Ton) wurden diese losen Körner über Äonen zu festem Fels verbacken.
Für uns Bildhauer ist eines entscheidend: Das „Lager“. Weil der Stein Schicht für Schicht entstand, hat er eine Art natürliche „Maserung“.
- Wenn man gegen das Lager schlägt, ist der Stein widerspenstig.
- Wenn man mit dem Lager arbeitet, lässt er sich wunderbar spalten und formen.
In Bamberg und Umgebung finden wir oft den sogenannten Schilfsandstein oder Burgsandstein. Er ist weicher als Granit, aber viel härter als Speckstein – genau das macht ihn so reizvoll für die Kunst.
Die Verbindung zu Bamberg: Segen und Fluch
Warum haben die alten Baumeister alles aus Sandstein gebaut? Ganz einfach: Er lag direkt vor der Haustür (in den Steinbrüchen der Hassberge und des Steigerwalds) und er ließ sich relativ leicht brechen.
Doch der Stein lebt. Er atmet. Sandstein ist porös. Er nimmt Wasser auf und gibt es ab. Das macht ihn wunderschön lebendig (er setzt Patina an), aber auch verletzlich. Frostsprengungen oder Umweltgifte setzen ihm zu. In meiner Arbeit als Restaurator geht es oft genau darum: Zu verstehen, warum ein Stein krank ist, und wie wir dieses kulturelle Erbe für die nächste Generation retten können.
Wie bearbeitet man Sandstein?
Vom rohen Block zur Skulptur ist es ein Weg der „Subtraktion“ (Wegnahme). Was ab ist, ist ab. Anders als beim Töpfern, wo man Material hinzufügt, arbeiten wir uns beim Sandstein von außen nach innen zum Kern vor.
Dafür nutzen wir Werkzeuge, die sich seit dem Mittelalter kaum verändert haben:
- Der Knüpfel: Kein Eisenhammer! Wir nutzen einen schweren, runden Holzschlegel (meist aus Weißbuche). Er überträgt die Kraft sanft und elastisch auf den Meißel.
- Das Spitzeisen: Für die grobe Arbeit. Damit „bossieren“ wir den Stein, schlagen große Brocken ab und suchen die erste Form.
- Das Zahneisen: Ein Meißel mit Zähnen. Er „kämmt“ den Stein, schafft Flächen und bereitet die Feinheiten vor.
- Das Flacheisen: Damit glätten wir die Oberfläche und schlagen scharfe Kanten (Schlagkanten).
Es ist eine laute, staubige Arbeit, die aber auch extrem meditativ ist. Man muss einen Rhythmus finden – tock, tock, tock – und in einen Dialog mit dem Stein treten. Zwingt man ihn, bricht er. Führt man ihn, entsteht Kunst.
Was kann man daraus machen?
Die Möglichkeiten sind endlos, solange man die Statik beachtet:
- Abstrakte Skulpturen: Das Spiel von rauen (gespitzten) und glatten (geschliffenen) Flächen wirkt im Sandstein besonders toll durch das Licht-Schatten-Spiel.
- Wasserspeier & Brunnen: Da Sandstein Wasser liebt, ist er ideal für den Garten.
- Reliefs & Wappen: Die klassische Anwendung an Fassaden.
- Freie Figuren: Köpfe, Torsos oder organische Formen.
Selbst zum Meißel greifen?
Sandstein zu bearbeiten, ist eine körperliche Erfahrung. Man spürt den Widerstand, man riecht den Funkenflug (Quarzgeruch), man ist am Ende des Tages müde, aber glücklich.
Für den Küchentisch ist das allerdings nichts. Der feine Quarzstaub gehört nicht in die Wohnung, und der Lärmpegel erfordert tolerante Nachbarn (oder besser keine). Zudem braucht man eine stabile Werkbank und Schutzausrüstung.
Deshalb biete ich in meinem Atelier und bei Projekten Bildhauer-Seminare an. Hier stelle ich dir den passenden Stein, das Profi-Werkzeug und den Raum zur Verfügung. Unter meiner Anleitung lernst du, den Stein zu „lesen“ und deine eigene Skulptur aus dem Fels zu befreien.
Egal, ob du Anfänger bist oder schon Erfahrung hast: Es ist ein Erlebnis, den „Stein von Bamberg“ selbst zu formen.
Lust bekommen, es stauben zu lassen? Hier findest du alle Infos zu meinen aktuellen Seminaren:
Ich freue mich darauf, mit dir Steine zu klopfen!
