Ton ist eines der ursprünglichsten Materialien der Menschheit. Es ist Erde, es ist weich, es lässt sich formen, glätten und wieder zerstören. Gerade in meiner Arbeit als Bildhauer und Sozialpädagoge schätze ich dieses Material sehr, weil es uns „erdet“. Es spricht den Tastsinn direkt an und lässt uns Formen wortwörtlich begreifen.
Doch viele schrecken davor zurück, zu Hause mit Ton zu arbeiten. Der Grund ist meist technischer Natur: „Ich habe keinen Brennofen.“
Die gute Nachricht ist: Für den Einstieg in die plastische Arbeit brauchst du keinen 1000 Grad heißen Ofen. Es gibt wunderbare Alternativen, mit denen du direkt an deinem Küchentisch hier in Bamberg starten kannst.
Das Geheimnis: Lufthärtender Ton
Klassischer Töpferton muss gebrannt werden, um dauerhaft haltbar zu sein. Trocknet er nur an der Luft, bleibt er bröckelig und löst sich bei Kontakt mit Wasser sofort wieder auf.
Für deine ersten Skulpturen empfehle ich daher lufthärtenden Ton (oder spezielle Lehm-Mischungen aus dem Künstlerbedarf). Dieser enthält Fasern oder Bindemittel, die dafür sorgen, dass er beim Trocknen an der Luft steinhart wird – fast wie gebrannt.
Werkzeug: Deine Hände sind das Wichtigste
Das Schöne am Modellieren: Du brauchst kaum Zubehör.
- Unterlage: Ein Holzbrett ist ideal, da es Feuchtigkeit aufnimmt. Plastik klebt oft zu sehr.
- Schneidedraht: Ein Stück Angelsehne oder ein straffer Draht, um Stücke vom Block abzuschneiden.
- Modellierhölzer: Gibt es günstig im Set, aber ein alter Löffel, ein Messer und ein Schaschlikspieß tun es auch.
- Schwamm & Wasser: Zum Glätten.
Die Technik: Aufbauen statt Ausstechen
Anders als beim Plätzchenbacken wollen wir dreidimensional arbeiten. Hier sind zwei Grundtechniken, die ich auch in Kursen vermittle:
1. Die Daumendruck-Technik (Pinch Pot)
Nimm eine Kugel Ton in die Hand. Drücke mit dem Daumen ein Loch hinein (nicht durchstoßen!). Nun drückst du mit Daumen (innen) und Zeigefinger (außen) die Wandung immer dünner und formst so eine Schale.
- Der Bildhauer-Tipp: Achte auf gleichmäßige Wandstärke. Wenn eine Seite zu dick ist, trocknet sie langsamer und es gibt Risse.
2. Die Wulsttechnik (Aufbauen)
Dies ist die klassische Methode für Vasen oder größere Figuren. Du rollst „Würste“ aus Ton und legst sie übereinander.
- Wichtig: Du musst die Schichten „vernähen“. Streiche den Ton der oberen Wurst mit dem Daumen oder einem Holz in die untere Wurst, bis keine Fuge mehr zu sehen ist. Nur aufeinanderlegen reicht nicht – das fällt beim Trocknen auseinander!
Das Finish: Farbe und Schutz
Wenn dein Werk fertig ist, braucht es Geduld. Lufthärtender Ton sollte langsam trocknen (nicht auf die Heizung stellen, sonst reißt er!). Das kann je nach Dicke 2 bis 5 Tage dauern.
Ist die Skulptur weiß und hart durchgetrocknet, kannst du sie weiterbearbeiten:
- Schleifen: Mit feinem Sandpapier kannst du Unebenheiten glätten.
- Bemalen: Hier kommen wieder die Acrylfarben ins Spiel (siehe meinen Blogpost zur Malerei!). Da der Ton saugt, grundiere ihn am besten erst dünn.
- Versiegeln: Mit einem Klarlack machst du das Objekt widerstandsfähiger gegen Feuchtigkeit.
Plastisches Gestalten in Bamberg
Das Arbeiten mit weichem Material ist der perfekte Ausgleich zum digitalen Alltag. Es ist meditativ und kreativ zugleich.
In meinem Atelier arbeite ich oft an großen Skulpturen, aber die Prinzipien von Proportion und Volumen sind beim kleinen Tonmodell genau dieselben. Vielleicht hast du ja Lust bekommen, es einfach mal auszuprobieren?
Ich plane, zukünftig auch wieder Seminare anzubieten, in denen wir gemeinsam plastisch arbeiten – sei es mit Ton, Gips oder Stein. Wenn du Interesse hast, dabei zu sein, oder wissen willst, wo man in der Region Bamberg gutes Material bekommt, melde dich gerne.
Schreib mir einfach über das Kontaktformular.
Viel Freude beim Formen!
