Wenn ich erzähle, dass ich gelernter Steinmetz und Bildhauer bin, höre ich oft: „Das würde ich auch gerne mal machen, aber das ist mir zu schwer.“ Und ja, Marmor oder Granit zu bearbeiten, ist ein Knochenjob, der Jahre der Übung braucht.
Aber es gibt eine Abkürzung. Ein Material, das sich bearbeiten lässt wie Stein, aber weich ist wie fester Käse: Porenbeton, besser bekannt unter dem Markennamen Ytong.
Eigentlich als Baustoff für Mauern gedacht, ist dieser weiße, poröse Stein ein Geheimtipp für alle, die in die dreidimensionale Kunst einsteigen wollen. In meinem Atelier und bei Workshops nutze ich ihn gerne, um das Verständnis für Volumen und Form zu schulen.
Heute zeige ich dir, wie du hier in Bamberg – einfach mit Material aus dem Baumarkt – deine erste eigene Skulptur erschaffst.
Warum Ytong der perfekte „Übungs-Stein“ ist
In der Kunst unterscheiden wir zwei Arten des Arbeitens:
- Additiv (Aufbauend): Wie bei Ton oder Gips – man fügt Material hinzu.
- Subtraktiv (Wegnehmend): Wie bei Holz oder Stein – man nimmt Material weg.
Die subtraktive Arbeit erfordert Umdenken. Was weg ist, ist weg. Ytong ist ideal, um diesen Prozess zu lernen, ohne dass dir gleich die Arme abfallen. Es ist günstig, überall verfügbar und verzeiht auch mal kleine Korrekturen.
Das Werkzeug: Ein Plünderzug durch den Keller
Du brauchst keine teuren Eisen oder Klüpfel aus dem Künstlerbedarf. Für Ytong reicht, was du oft schon zu Hause hast:
- Säge: Ein alter Fuchsschwanz (Handsäge) ist perfekt für grobe Schnitte. Achtung: Die Säge wird stumpf, nimm also nicht die gute Japansäge!
- Raspeln & Feilen: Alte Holzraspeln sind Gold wert.
- Kratzwerkzeug: Alte Schraubenzieher, Löffel oder stabile Nägel.
- Schleifpapier: Grobes Sandpapier für das Finish.
Wichtig – Die Sicherheit: Ytong staubt gewaltig! Und der Staub ist fein. Bitte trage unbedingt eine Staubmaske (FFP2) und eine Schutzbrille. Arbeite am besten draußen im Garten oder in einer gut belüfteten Garage.
Schritt-für-Schritt zur Skulptur
Hier ist eine Vorgehensweise, die ich auch Anfängern empfehle:
1. Die Skizze auf dem Block
Besorge dir einen Ytong-Block im Baumarkt (kostet nur wenige Euro). Zeichne deine Idee grob auf alle Seiten des Blocks. Bleib am Anfang bei kompakten Formen – filigrane Ärmchen brechen bei diesem spröden Material leicht ab.
2. Die grobe Form (Sägen)
Säge alles weg, was definitiv nicht zur Figur gehört. Trau dich! Je mehr du jetzt wegnimmst, desto weniger musst du später raspeln.
3. Die Ausarbeitung (Raspeln & Kratzen)
Jetzt wird es bildhauerisch. Runde die Ecken ab, arbeite die Details heraus. Ytong ist so weich, dass du mit einem Schraubenzieher fast wie in Butter ritzen kannst.
4. Das Finish (Schleifen & Versiegeln)
Wenn du mit der Form zufrieden bist, glätte sie mit Schleifpapier.
- Profi-Tipp: Ytong saugt Wasser wie ein Schwamm. Wenn die Skulptur draußen stehen soll (z.B. in deinem Garten in Bamberg), musst du sie mit Tiefengrund einlassen und anschließend mit Acrylfarbe oder einer Fassadenfarbe bemalen.
Kunst erleben & Lernen in Bamberg
Das Arbeiten mit Ytong ist oft der erste Schritt, um die Angst vor dem Material zu verlieren. Viele meiner Skulpturen aus „echtem“ Stein oder Holz basieren auf denselben Prinzipien von Raum und Volumen, die du hier im Kleinen lernst.
Gerade für pädagogische Projekte – sei es in Schulen oder sozialen Einrichtungen – ist Porenbeton fantastisch, weil Kinder und Jugendliche sehr schnell sichtbare Ergebnisse erzielen, was das Selbstvertrauen enorm stärkt.
Ich arbeite derzeit daran, mein Atelier wieder so herzurichten, dass ich solche Techniken vielleicht bald wieder live vermitteln kann. Es juckt mir in den Fingern, das Handwerk weiterzugeben!
Zeig mir dein Ergebnis!
Hast du dich an den weißen Stein getraut? Ich bin gespannt auf deine Ergebnisse.
Wenn du Fragen zur Oberflächenbehandlung hast oder wissen möchtest, wo man in der Region Bamberg am besten Werkzeug findet, schreib mir gerne. Ich freue mich immer über den Austausch mit Kunstinteressierten.
Nutze dafür einfach mein Kontaktformular.
Viel Spaß im Staub!
