Monotypie: Die Kunst des „Malerischen Drucks“

 

Druckgrafik wirkt auf viele Einsteiger erst einmal einschüchternd. Man denkt an schwere Radierpressen, gefährliche Säuren und komplizierte Verfahren. Doch es geht auch anders: spielerisch, direkt und mit einfachen Mitteln.

Die Monotypie (aus dem Griechischen: monos = einzig, typos = Bild) ist, wie der Name schon sagt, ein Verfahren, bei dem nur ein einziger Abzug entsteht. Es ist die perfekte Schnittstelle zwischen Malerei und Grafik.

In meiner künstlerischen Laufbahn begleitet mich diese Technik schon lange – bereits im Jahr 2000 habe ich Fachtexte zur Technik der serigrafischen Monotypie veröffentlicht. Warum ich sie so liebe? Weil sie den „kontrollierten Zufall“ zulässt und wunderbare Ergebnisse liefert, die man mit dem Pinsel allein so nie hinbekommen würde.

Heute zeige ich dir, wie du diese Technik ganz einfach zu Hause oder in pädagogischen Gruppen hier in Bamberg und Umgebung umsetzen kannst.

Was du für den Start brauchst

Das Geniale an der Monotypie: Du brauchst keine teure Druckerpresse. Dein Handballen oder ein Löffel reichen völlig aus.

  1. Die Druckplatte: Eine glatte, nicht saugende Oberfläche. Das kann eine Glasplatte aus einem alten Bilderrahmen sein, eine Plexiglasplatte oder (für den ganz simplen Start) sogar eine stabile Klarsichtfolie oder ein Backblech.
  2. Die Farbe: Acrylfarben funktionieren gut (sie trocknen aber schnell!). Wer mehr Zeit haben will, mischt etwas Trocknungsverzögerer hinein oder nutzt Linoldruckfarben auf Wasserbasis.
  3. Das Werkzeug: Pinsel, Schwämme, Wattestäbchen oder alte Kreditkarten zum Strukturieren.
  4. Das Papier: Normales Zeichenpapier oder Skizzenpapier (ca. 100–120g/m²). Es darf nicht zu dick sein, damit du den Druck gut abreiben kannst.

Anleitung: Dein erstes Unikat in 4 Schritten

In meinen Seminaren erlebe ich oft, dass Teilnehmer erst zögern und dann gar nicht mehr aufhören wollen, weil der Prozess so spannend ist.

Schritt 1: Die Farbe auftragen

Walze oder pinsle die Farbe dünn auf deine Platte auf. Du kannst vollflächig arbeiten oder nur bestimmte Bereiche einfärben.

Schritt 2: Das Motiv gestalten (Negativtechnik)

Das ist meine Lieblingstechnik für Einsteiger: Die Platte ist voll Farbe. Jetzt nimmst du Farbe weg. Zeichne mit einem Wattestäbchen, einem Pinselstiel oder einem Lappen in die nasse Farbe. Alles, was du wegwischst, wird später auf dem Papier weiß bleiben.

Schritt 3: Der Druck

Lege dein Papier vorsichtig auf die feuchte Farbplatte. Verrutsche dabei nicht! Nimm nun einen sauberen Esslöffel (oder deine Hand) und reibe mit leichtem Druck über die Rückseite des Papiers. Massiere die Farbe quasi in das Papier hinein.

Schritt 4: Der magische Moment

Zieh das Papier vorsichtig an einer Ecke hoch. Voilà! Du hältst ein absolutes Unikat in den Händen. Da die Farbe nie zu 100% gleichmäßig abgegeben wird, entstehen spannende Strukturen, die dem Bild einen ganz eigenen Charakter geben.

Warum Monotypie auch pädagogisch wertvoll ist

Als jemand, der viel Erfahrung in der Sozialpädagogik und der Arbeit mit Menschen hat, schätze ich die Monotypie als Methode sehr.

  • Loslassen lernen: Man kann das Ergebnis nicht perfekt planen. Das nimmt den Leistungsdruck.
  • Niederschwelligkeit: Man braucht keine Zeichenskills wie Michelangelo. Abstrakte Farbflächen sehen gedruckt oft fantastisch aus.
  • Schnelle Ergebnisse: Ideal für Gruppenarbeiten oder Workshops mit Kindern und Jugendlichen.

Kunst erleben in Bamberg

In meinem Atelier in der Nähe von Bamberg experimentiere ich oft mit Mischtechniken, bei denen ich solche Drucke als Grundlage nehme und sie später zeichnerisch weiterbearbeite oder in Collagen einbaue.

Auch wenn ich mich aktuell stark auf meine bildhauerischen Werke und die Vorbereitung meines Ateliers konzentriere, ist die Grafik ein fester Bestandteil meines Schaffens (siehe z.B. meine Ausstellung „Farbwächter“ 2011).

Hast du Lust bekommen, zu experimentieren?

Probier es doch am Wochenende mal aus! Eine Glasplatte, etwas Acrylfarbe und los geht’s.

Ich plane, zukünftig mein Wissen über solche Techniken auch wieder in Form von Gestaltungsseminaren hier in Bamberg weiterzugeben. Wenn du daran Interesse hast – oder wenn du Fragen hast, welche Farben sich am besten eignen – dann lass uns gerne in Kontakt bleiben.

Melde dich einfach unverbindlich über mein Kontaktformular. Ich freue mich auf den Austausch mit anderen Kreativen aus der Region!

 

 

Name